Mein Tag
Teil 1 von 3 · Das Erwachen
Wenn ich mein Tagewerk beschreiben müsste, so erschiene es wohl manchem wie eine Art moderner Magie – ein stilles Wirken hinter Vorhängen aus Zahlen, Systemen und vermeintlicher Undurchdringlichkeit.
Und doch gleicht meine Rolle weniger dem Zauberer, als vielmehr jener des Hofnarren oder Spielmanns, der mit scheinbarer Leichtigkeit Dinge vorführt, deren Ursprung im Verborgenen bleibt – nicht weil sie unerklärlich wären, sondern weil man es duldet, sie nicht zu erklären.
Die Errungenschaften, die so entstehen, halte ich dem gemeinen Volk vor wie einen Spiegel – doch nicht der Wahrheit allein, sondern auch ihrer Verzerrung. Denn was als Wirkung bestaunt wird, bleibt oft losgelöst von dem Prozess, der sie hervorgebracht hat.
Es ist eine stille Übereinkunft: Dass Komplexität als Zauber erscheinen darf, solange niemand verlangt, den Mechanismus dahinter offenzulegen. Und so entsteht jene eigentümliche Täuschung, in der das Handwerk zur Magie verklärt wird – nicht durch seine Natur, sondern durch die Bequemlichkeit der Betrachtenden und das gelegentliche Mitwirken jener, die es besser wissen müssten.